Geschichten & Geschichte

Irgendwie haben sie es geschafft, die Werfenwenger, das Gute von "früher" zu bewahren: unzerstörte Natur und das Glück.

Im letzten Jahrhundert fanden die Tiroler Freiheitskämpfe gegen die Franzosen im Kampf am Pass Lueg mit Beteiligung der Werfenwenger Bauern unter der Führung des Bauern- und Schützenhauptmannes Peter Sieberer statt. Im Ersten Weltkrieg hat die Gemeinde Werfenweng von allen Gemeinden der damaligen Monarchie - gemessen an der Einwohnerzahl - die meisten Opfer zu beklagen. Aber dennoch haben sich die Menschen hier nie unterkriegen lassen. Sie waren und sind ihrer Heimat treu geblieben und haben sich immer wieder mit gesundem Pragmatismus, unerschütterlicher Lebensfreude und gottesfürchtiger Gelassenheit für das Wohl Werfenwengs eingesetzt.

Bis 1938 kam man in die kleine Gemeinde am Talschluss nur über einen einfachen Karrenweg - erst 1938 wurde eine Zufahrtsstraße von Pfarrwerfen nach Werfenweng errichtet. Der Grundstein für den Tourismus, so erzählt man sich, wurde im zweiten Weltkrieg gelegt. Damals wurden Frauen aus Köln vor dem Bombenhagel nach Werfenweng evakuiert und durften sich dort erholen. Viele von ihnen kamen später mit Familie wieder.

Ein weiterer Meilenstein für den erwachenden Tourismus war die Inbetriebnahme des ersten Lifts im Jahr 1956.

1091 ist Wenga (Wald) - später Gweng (Weidegrund, Wiese) - erstmals urkundlich erwähnt. Im Lauf der Geschichte hat sich dann so manches verändert. Im 14. Jahrhundert wird in dem kleinen Bergort im Tennengebirge ein erzbischöfliches Urbaramt errichtet und 1509 weiht man die Wallfahrtskirche "Maria Geburt", die als spätgotischer Kirchenbau noch immer Werfenweng schmückt. Mitte des 18. Jahrhunderts ist die zwangsweise Auswanderung der Protestanten eine Zäsur, bei der damals 80% der Bevölkerung ihre Heimat verlassen mussten. Anfang des 19. Werfenweng das komplette alpine Freizeitprogramm. Der Ort entwickelte sich zu einem Freizeitidyll mit 200 000 Übernachtungen jährlich. 1994 kam der Einbruch. Mit der Tauernautobahn wurden die Gäste an Werfenweng vorbei in Richtung Süden geführt.

Bürgermeister Peter Brandauer, der 1989 mit 28 Jahren jüngster Bürgermeister Österreichs wird, erkennt, mit welchen Pfunden Werfenweng punkten kann:

Mit einer einmalig schönen, intakten Naturlandschaft, mit frischer Luft und mit himmlischer Ruhe, weit weg von Stress und Hektik.

Um dieses wertvolle Gut zu erhalten, ist Werfenweng seit 1997 Modellort für "Sanfte Mobilität - Autofreier Tourismus". Wer heute als Gast hierher kommt, genießt alle Annehmlichkeiten der Moderne und kann dennoch Tradition und Unverfälschtheit erleben. Das ist fast ein kleines Wunder.